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Das Thema der offenen Teilnehmerlisten spaltet zurzeit etwas die BarCamp-Community. Ein Teil der Veranstalter veröffentlicht weiter die Namen ihrer Teilnehmer auf der eigenen Homepage, während solche Listen bei jüngeren Events meist fehlen. Die Diskussion um diese Problematik ist nicht neu, aber aufgrund der zunehmenden Kommerzialisierung von BarCamps relevanter denn je. Da sich einige unserer Veranstalter in letzter Zeit vermehrt mit dieser Frage beschäftigen und uns deswegen um Rat gebeten haben, dachten wir, dass sich dieses Thema hervorragend für unseren Blog eignet. Daher werden wir in diesem Artikel die Gründe für und gegen eine Veröffentlichung von Teilnehmerlisten, welche wir gemeinsam mit unseren Kunden identifiziert haben, vorstellen und diskutieren.

Grob zusammengefasst lässt sich die Diskussion auf drei pro und zwei kontra Argumente begrenzen. Für offene Teilnehmerlisten sprechen die Transparenz auf dem Event, der Marketingaspekt für den Veranstalter und der Commitmenteffekt. Dagegen sprechen der Schutz der Privatsphäre und die aggressive Verkaufsmasche von Direktverkäufern.

Argumente für eine Veröffentlichung

Transparenz
Das Prinzip der offenen Teilnehmerlisten ist ein entscheidendes Puzzlestück der BarCamp Bewegung. Es wurde bereits beim ersten BarCamp umgesetzt und ist seitdem gelebte Praxis. Ursprünglich wurde die Veröffentlichung der Namen von den Teilnehmern selbst initiiert, indem sie sich, im Zuge der Anmeldung, auf den Wikiseiten oder Blogs als Teilnehmer outeten. Im Zuge der Professionalisierung der Veranstalter haben diese später alle Namen der angemeldeten Personen gesammelt und zentral auf einer Seite veröffentlicht. Hintergrund dieser Praxis ist das Ziel der absoluten Transparenz. Die BarCamp Regeln schreiben sowieso jedem Teilnehmer vor, dass er über das BarCamp und seine Teilnahme bloggen, twittern und posten soll. Damit soll sich eine Community bilden und später verfestigen. Eine Veröffentlichung der Teilnehmerlisten folgt diesem Gedanken und sorgt für vollkommen Transparenz, da jede Person sehen kann, wer an dem jeweiligen BarCamp teilnimmt.

Marketing
Ein schöner Nebeneffekt einer öffentlichen Teilnehmerliste ist der Marektingboost. Wenn es mir gelingt, interessante Personen auf mein BarCamp zu bringen, könnten sich andere Personen dazu entscheiden ebenfalls teilnehmen zu wollen, einzig um diese Personen bei dieser Gelegenheit kennenzulernen. Dieser Effekt ist umso stärker, je wichtiger die Personen sind. Dabei müssen das keine Promis etc. sein, sondern einfach Persönlichkeiten, die für bestimmte Nischenthemen sehr relevant sind. Gelingt es dir z. B. einen hochrangigen Mitarbeiter von einem heißen Unternehmen zu gewinnen, ist das für viele anderer Personen sehr interessant. Ich durfte z. B. auf dem Controlling BarCamp den Vice President Controlling von Zalando kennenlernen. Der war zwar in diesem Fall ein Redner, aber es macht deutlich was ich meine.

Neben den Marketingeffekt der bekannten Personen ist es auch für viele Menschen wichtig bereits im Vorfeld eines Events jemanden der Teilnehmer zu kennen. Hier kommt die Angst der Menschen durch, am Ende niemanden zu finden der mit einem redet etc. Wenn ich jedoch bereits eine Person vor Ort kenne, weiß ich immer an wenn ich mich wenden kann. Die Wahrscheinlichkeit für eine Eventteilnahme steigt demnach, wenn ich Personen kenne, die ebenfalls an diesem Event teilnehmen.

Diese beiden Marketingeffekte sind vor allem für junge Eventformate sehr wichtig, da sie noch nicht auf eine gefestigte Teilnehmercommunity zurückgreifen können.

Commitment
Jeder Veranstalter kennt und fürchtet es. Die No Show Rate. Es gibt leider immer wieder Personen, die melden sich für eine Veranstaltung an und erscheinen nicht. Dem Problem der No Show Rate werden wir uns noch in einem späteren Artikel ausführlicher widmen, aber eine Methode um diese Rate zu verringern sind offene Teilnehmerlisten. Dadurch, dass mein Name öffentlich mit dem Event verbunden wird, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ich teilnehme. Das liegt an einem psychologischen Effekt. Durch die Veröffentlichung meines Namens gebe ich quasi ein Versprechen, dass ich am Event teilnehme und jeder kann dieses Versprechen sehen. Ich könnte also im Nachhinein oder auch bereits davor darauf angesprochen werden. Wenn ich jetzt zugeben müsste, dass ich gar nicht an der Veranstaltung teilgenommen habe, folgen zwangsläufig Fragen wie „warum?“ und „ich hätte doch gesagt ich würde daran teilnehmen …“. Diese Situation ist für die meisten Menschen sehr unangenehm. Wird meine Teilnahme jedoch nicht veröffentlicht, dann sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass ich darauf angesprochen werde. Dieses psychologische Prinzip ist auch der Grund, warum man über seine Ziele öffentlich sprechen sollte. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir sie erreichen, da wir ein Misserfolg öffentlich rechtfertigen müssten.

Argumente gegen eine Veröffentlichung

Schutz der Privatsphäre
Im direkten Kontrast zu Transparenz steht der Schutz der Privatsphäre. Beides ist nicht vollständig umsetzbar ohne das andere zu behindern. Vielen Personen ist die Privatsphäre sehr wichtig und sie wollen nicht das ihr Name veröffentlicht wird. Dieses Bedürfnis nimmt umso mehr zu, je wichtiger die Aufgaben der betreffenden Person in ihrem Arbeits- und Privatleben sind. Würde z. B. ein Mark Zuckerberg an einem Event teilnehmen, ist klar, dass fast jeder gerne mit ihm reden würde. Sicher würde dieser jetzt nicht unbedingt an einem BarCamp teilnehmen, außer es ist durch Facebook organisiert, aber das Prinzip wird deutlich. Solche Menschen wollen ihre Teilnahme möglichst geheim halten. Diese Einstellung sollte dann auch von den Organisatoren akzeptiert werden.

Direktverkäufer
Direktverkäufer sind der Schrecken aller BarCamp Veranstalter und wahrscheinlich einer der Hauptgründe, warum viele kleine, teilweise sehr interessante, Eventformate nie eine feste Community entwickeln. Diese Verkäufer suchen nach Möglichkeiten, möglichst viele Menschen, welche eine gewisse Affinität zum Verkaufen und Selbstständigkeit besitzen, an einem Ort zu sammeln und ihnen von ihrem unschlagbaren Angebot bzw. Produkt zu erzählen. Versteht mich nicht falsch, Direktvertrieb ist nicht grundsätzlich schlecht, aber die Art und Weise ist entscheidend und da habe ich bei den meisten eher schlechte Erfahrungen gemacht. Leider lauern diese Personen bei vielen noch jungen Events. Mit einer öffentlichen Teilnehmerliste stellst du diesen Verkäufern Informationen zur Verfügung, die sie später in der Ansprache der Teilnehmer verwenden können.

Unsere Meinung

Nach den vielen Gesprächen habe ich meine ganz eigene Meinung zu dieser Problematik entwickelt. Ich kann alle Argumente verstehen, wobei ich eher den Transparenz Aspekt bevorworte. Ich bin der Meinung, dass wir alle in der heutigen Zeit viel gläserner sind als früher und dass dieser Effekt auch nicht mehr gestoppt werden kann. Die beste Lösung ist aber sicherlich, wenn nicht generell festgelegt wird ob die Teilnehmerliste veröffentlicht wird, sondern jeder Teilnehmer das individuell für seine Daten entscheiden kann.

Weiterführende Links

Weitere interessante Artikel zum Thema BarCamps findet ihr hier.

Zusammenfassung

Nach unzähligen Diskussionen ist eines klar, es gibt hier keine eine richtige Antwort. Jeder Veranstalter muss für sich selbst definieren, welche Argumente für ihn schwerer ins Gewicht fallen und welche er in Kauf nehmen kann. Transparenz steht zwangsläufig dem Schutz der Privatsphäre im Weg. Und der Marketingeffekt ist gerade für junge Events sehr relevant. Wichtig ist, dass du als Veranstalter, deine Gäste im Vorfeld darüber informierst, ob und welche Daten du veröffentlichst. Wie bereits gesagt, die beste Lösung ist sicherlich, wenn jeder Teilnehmer für sich selbst bestimmen kann, ob er seine Daten veröffentlichen lassen möchte oder nicht.

Gebt uns Feedback

Was ist euere Meinung zu öffentlichen Teilnehmerlisten auf BarCamps? Habt Ihr noch Fragen, die wir nicht beantworten konnten?  Welche weiteren Themen rund um BarCamps interessieren euch noch? Welche anderen Veranstaltungstypen sind für euch interessant und sollen von uns analysiert werden? Wir freuen uns auf eure Antworten.

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