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Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber meine BarCamps waren immer geprägt von Spontanität und Gleichbehandlung. Manchmal aber auch von Chaos. Für Außenstehende wirkt dieses Format oft ungeplant und ziellos, doch das ist ein Irrtum. Alle BarCamps vereint ein gemeinsames Regelwerk.

Der Fight Club als Vorbild für BarCamps

In Anlehnung an Fight Club hat Tante Celik, der Initiator des ersten BarCamps, acht Regeln für alle Teilnehmer aufgestellt. Die Regeln sind natürlich nicht bindend und werden nicht von allen Organisatoren vollständig umgesetzt. Dadurch hat sich ein Konflikt zwischen den alten Hasen und den eher jüngeren Teilnehmern. Die Ersten schwören auf die Regeln, während die Anderen eine freiere Interpretation bevorzugen. In Teil 2 unserer BarCamp Reihe stelle ich euch die acht Regeln vor, welche Ideen dahinter stecken und ob ihre strikte Anwendung noch zeitgemäß ist.

Regel 1: Du redest über das BarCamp

Kommunikation ist wichtig, sowohl für die Transparenz als auch für das Marketing. Aus diesem Grund soll, nach der ersten Regel, jeder Teilnehmer über das BarCamp sprechen.

Damit wird zum einen die Bekanntheit des jeweiligen BarCamps, als auch der ganzen BarCamp Bewegung unterstützt. Auch heute wird diese Regel weiter von den Organisatoren verbreitet, da BarCamps aber mittlerweile im Mainstream angekommen sind, haben sie etwas von ihrem besonderen Flair verloren. Damit ist leider auch die Bereitschaft der Teilnehmer darüber zu sprechen abgeflaut.

Regel 2: Du bloggst über das BarCamp

Wer nicht gerne redet, darf stattdessen auch gerne über BarCamps bloggen ?. Spaß beiseite. Zu der Zeit, als diese Regeln aufgestellt wurden, war ein Großteil der Teilnehmer Internetvordenker und deutlich weiter als die Gesellschaft. Die meisten besaßen einen eigenen Blog und daher sollte die BarCamp-Liebe über diesen Weg im Internet verbreitet werden.

Heute hat sich die Situation verändert. Mittlerweile verfügen deutlich weniger Teilnehmer über einen eigenen Blog, dafür haben sich weitere etablierte Kommunikationskanäle entwickelt. Jetzt ist jeder eingeladen über BarCamps zu bloggen, zu tweeten oder andere Tools wie Facebook zu nutzen, um Aufmerksamkeit zu erzeugt.

Regel 3: Wenn du präsentieren möchtest, musst du das Thema und deinen Namen auf dem Sessionboard notieren

Zu Beginn des BarCamps wird ein öffentliches Sessionboard, z. B. ein Whiteboard, aufgestellt. Auf diesem Sessionboard kann jeder, der will, ein eigenes Thema anschreiben. Jeder sieht so direkt, für welche Themen Redner vorhanden sind. Welche Fragen letztendlich ausgewählt werden, obliegt den Teilnehmern.

Aufgrund aktueller Technologie ist diese Regel teilweise überholt. Viele Veranstalter nutzen digitale Tools, wie die eigene Homepage oder eine App, um Themenvorschläge für das BarCamp bereits im Vorfeld zu sammeln. Über diese Dienste können die Ergebnisse bereits vor dem Event veröffentlicht und Teilnehmer informiert werden.

Regel 4: Vorstellung mit nur drei Wörtern

Offiziell eröffnet wird jedes BarCamp durch die Vorstellungsrunde. Um den Zeitaufwand im Zaum zu halten, soll sich jeder Teilnehmer mit nur drei Worten beschreiben. So erfahren alle Teilnehmer etwas voneinander und die Wahrscheinlichkeit für die aktive Teilnahme nimmt spürbar zu.

Bei vielen BarCamps ist die Vorstellungsrunde heute abgeschafft oder deutlich reduziert. Zum einen verfügen einige BarCamps über so viele Teilnehmer, dass die Vorstellung zu viel Zeit benötigt und zum anderen sollen schüchternere Personen zu nichts gezwungen werden. Leider führt dies zu einer geringeren aktiven Beteiligung und nimmt etwas von dem persönlicheren Flair. Bei bis zu 100 Teilnehmern ist eine Vorstellrunde weiter Pflicht. Bei mehr Personen ist sowieso fraglich, ob hier noch von einem BarCamp gesprochen werden kann.

Regel 5: So viele Vorträge zur gleichen Zeit wie die Location erlaubt

Teilnehmer von BarCamps verstehen sich als Teilgeber und wollen ihr Wissen mit allen Anwesenden teilen. Ein Großteil wird also eigene Fragestellungen mitbringen und diese gerne in einer eigenen Session besprechen wollen. Um möglichst vielen Personen diesen Wunsch zu erfüllen, soll der Veranstaltungsort maximal ausgenutzt werde.

Ursprünglich aufgestellt, um auch Nischenthemen eine Möglichkeit der Präsentation zu geben, ist diese Regel heute Standard bei jeder Veranstaltung.

Regel 6: Keine Agenda Erstellung im Vorfeld, Keine Zuschauer

Bereits in Regel 3 wurde erklärt, dass die Themen erst spontan vor Ort am Sessionboard veröffentlicht werden. Folglich steht zu Beginn jedes BarCamps nur der grobe Ablaufplan, aber nicht, welche Themen in welcher Session besprochen werden. Die Auswahl erfolgt demokratisch nach der Vorstellungsrunde. Dieses Vorgehen sorgt dafür, dass nur Themen besprochen werden, für welche sich die Anwesenden interessieren, und bindet alle in die Organisation mit ein. Zuschauer, die sich nicht beteiligen, sind unerwünscht.

Leider wird die Agenda heute bei vielen BarCamps bereits im Vorfeld definiert. Dabei geht sowohl die Spontanität verloren, als auch die demokratische Entscheidung, da meist die Veranstalter definieren, welche Themen relevant sind und dazu Redner einladen. Grundsätzlich spricht wenig gegen eine Abstimmung bereits im Vorfeld, sofern alle Anwesenden bereits feststehen und gemeinsam entscheiden. Der Abstimmungsprozess kann durch digitale Umfragetools zusätzlich vereinfacht werden.

Regel 7: Vorträge dauern so lange wie es sein muss oder die Folgesession beginnt

Jeder der eine Session leitet bestimmt selbst, wie er diese gestaltet und zeitlich ausschmückt. Die einzige Grenze, stellt der Beginn der Folgesession dar. Mit dieser Regel soll die Autonomie der Vortragenden, als Teilorganisator, gestärkt werden.

Aktuelle BarCamps sind meist sehr gut durchorganisiert, daher ist diese Regel, in dem Sinn zum Standard geworden, dass der Redner seine Session vollständig selbst gestaltet.

Regel 8: Bei deinem ersten BarCamp MUSST du ein Thema präsentieren

Regel acht bezieht sich direkt auf die Rookies. Jeder, der zum ersten Mal an einem BarCamp teilnimmt, soll auch präsentieren. Eine Ko-Präsentation, mit einem erfahreneren Redner ist auch erlaubt. Als Minimum wird aber erwartet, dass sich aktiv an den Diskussionen beteiligt oder die Sessions dokumentieren. Mit dieser Regel sollen Neulinge direkt in die BarCamp Lebensweise integriert werden.

Diese Regel wird heute nur noch von kleineren BarCamps gelebt. Sobald die Veranstaltung etwas größer wird, ist sie nur schwer für alle anwendbar. Gleichzeitig werden die Präsentationen immer professioneller, weshalb viele gehemmt sind. Eigentlich eine schöne Idee, welche den Zusammenhalt unter den Campern stärkt, daher sollte sie unbedingt umgesetzt werden, sofern dass mit dem Eventkonzept vereinbar ist.

Weiterführende Links

In unserer siebenteiligen BarCamp-Reihe beschäftigen wir uns mit unterschiedlichsten Themen rund um dieses innovative Veranstaltungsformat. Von der Erklärung, was ein BarCamp, über die Organisation, die Promotion oder Sponsor Akquisition von Barcamps, begleiten wir euch auf dem Weg zu einem erfolgreichen Event.

Zusammenfassung

Die Bedeutung einiger BarCamp Regeln haben sich in den letzten Jahren zwar gewandelt, sie sind jedoch weiter sinnvoll und sollten von jedem Veranstalter klar kommuniziert und umgesetzt werden. Hinter allen Regeln steht die Idee, die BarCamp Bewegung zu unterstützen und die Teilnehmer spielerisch in das jeweilige BarCamp zu integrieren. Neulinge werden von Beginn an zu Teilgebern erzogen und die Bereitschaft einen aktiven Beitrag zu leisten, steigt drastisch. Ich empfehle jedem Veranstalter, soweit möglich, die Regeln vollständig umzusetzen. Im Übrigen eignen sich die Regeln auch für andere Veranstaltungsformate.

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Was ist euere Meinung zu den BarCamp Regeln? Habt Ihr noch Fragen, die wir nicht beantworten konnten? Welche weiteren Themen rund um BarCamps interessieren euch noch? Welche anderen Veranstaltungstypen sind für euch interessant und sollen von uns analysiert werden? Wir freuen uns auf eure Antworten.

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