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Wie oft schon standen wir vor einem QR Code, der uns versprach, uns zu guten Angeboten, einer schönen Website oder einer nützlichen App weiterzuleiten. Nur selten haben wir ihn gescannt, weil wir im Vorfeld schon wussten: Das wird nervig! Entweder, man hat gerade keine Scanner-App auf dem Smartphone – extra eine herunterladen erscheint dann für diese eine Gelegenheit doch zu übertrieben aufwendig – oder die App stellt den Inhalt der aufgerufenen Internetseite nicht richtig dar. So oder so ist der Effekt der schnellen Informationsverbreitung dahin. Ärgerlich!

Warum die Integration längst überfällig war

QR Codes sind seit vielen Jahren allgegenwärtig, da deren Erstellung kostenfrei ist. Die Verbreitung ist einfach, da sie sowohl von Printprodukten als auch von digitalen Anzeigegeräten problemlos gescannt werden können.

Der problematischste Punkt ist aus meiner Sicht als Ersteller von Webinhalten die fehlerhafte Darstellung der Seiten in QR Code Scanner-Apps. Den Nutzern ist die Ursache für den Fehler natürlich egal. Er ist in erste Linie unzufrieden mit dem Ergebnis. Die Auskunft, man müsse den gescannten Link erst händisch an den Browser übergeben, sorgt meist für – aus meiner Sicht gerechtfertigtes – Unverständnis. Diese Lösung erscheint lieblos und nicht ausgereift. Viel besser ist da die Nachricht, dass zumindest für Nutzer von iPhone und iPad eine auf Dauer gute Lösung endlich verfügbar ist.

Das Scannen ist auch nicht das Problem! Es ist die Anzahl an Scanner-Apps, die den gescannten Inhalt oft verfälschen. Viele von ihnen greifen auf rudimentäre, interne Browser zurück, welche aufwendige Inhalte, wie zum Beispiel Web-Apps, nicht korrekt darstellen oder Features nicht unterstützen. Apple setzt daher auf die Integration des Scanners in die Kamera-App unter dem neusten Major Update auf iOS 11, welches am 19.09.2017 offiziell an die ersten User ausgerollt wurde.

OK, verstanden! Aber wie scannt man denn jetzt mit dem iPhone?

  1. Man öffnet die Kamera und hält den Sucher auf den zu scannenden Code.
  2. Ein am oberen Bildschirmrand erscheinendes Popup weist durch Klicken den Weg zum gescannten Link.
  3. Die gescannten Links zu Homepages werden direkt an den Standardbrowser übergeben und in voller Funktionalität dargestellt.

Außerdem erlaubt der Scanner das Verbinden mit WiFi-Netzwerken, das Anlegen von Kontakten und vieles mehr.

Screenshot: Scannen eines Links mit der Kamera-App in iOS 11
Screenshot: Scannen eines WiFi-Netzwerkes mit der Kamera-App in iOS 11

Lang hat’s gedauert. Und was ist mit Android?

Hiermit gelingt Apple die aus meiner Sicht lägst überfällige Integration dieser Funktionalität in das bestehende Betriebssystem. Diesen Schritt hätte man vor Jahren gehen können und sollen. Microsoft hatte eine ähnliche Integration bereits unter Windows Phone vorgenommen. Ab 2012 konnte man mit der Bing-Suche QR Codes scannen und zumindest Webinhalte damit aufrufen. Im Laufe der Updates verschwand dieses Bing-Feature jedoch wieder und wurde – wie jetzt unter iOS – in die Kamera-App integriert. Mitbekommen haben das nur wenige, da das Windows Phone eher ein Nischendasein fristet. Mittlerweile wurde von höchster Stelle bekanntgegeben, dass Windows Mobile ab sofort nur noch Support und keine neuen Feature mehr bekommen wird.

Für die Nutzer von Android ist bislang noch keine Besserung in Sicht. Die Mehrheit aller Smartphone-User tappt bei der Wahl der „besten“ Scanner-App für QR Codes also weiter im Dunkeln. Ob es in der Landschaft der Android-Smartphones zu einer integrierten Lösung kommen wird, ist fraglich. Insofern hat Apple in diesem Punkt endlich wieder die Weichen in Richtung User Experience gestellt. Es zeigt sich, dass wenn es um Funktionalität geht, eine breite Auswahl nicht unbedingt eine gute Lösung sichert.

Doch warum wehren und wehrten sich die beiden dominierenden Anbieter von mobilen Betriebssystemen so lange gegen eine Integration solcher Features? Eine Antwort zu geben ist schwer, sind doch – wie schon bemerkt –QR Codes allgegenwärtig. Ein Grund könnte sein, dass in der Vergangenheit verstärkt auf Beacons gesetzt wurde. Diese kleinen Bluetoothsender sind in der Lage, ständig Daten an Smartphones zu senden und können (in gewissen Grenzen) auch zur Lokalisierung in geschlossenen Räumen verwendet werden. Gezielte Produktinformationen sind ebenso möglich wie das Lenken der Besucher beim Betreten eines Shops und das Erfassen des Kaufverhaltens eines Kunden. Die stiefmütterliche Behandlung der QR Codes könnte also eine Art protektionistische Maßnahme gewesen sein, die mit der Implementierung der Scannerfunktion in iOS 11 ihr Ende findet.

Euch wünsche ich nun viel Spaß beim unkomplizierten Scannen unzähliger, bisher noch nicht entdeckter Codes.

Zusammenfassung

Nach langer Zeit der App-Lösungen durch Drittanbieter über den App Store hat sich Apple nun dazu entschieden, eine Funktion zum Scannen von QR Codes in das Betriebssystem iOS 11 zu integrieren. Hier könnt ihr lesen, warum das ein wichtiger Schritt ist und wie genau das Scannen mit der Kamera-App funktioniert.

Gebt uns Feedback

Hattet auch ihr schon Probleme beim Scannen von QR Codes? Wie gefällt euch die Integration unter iOS 11? Lasst es uns wissen und schreibt uns einen Kommentar.

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